Die Europäische PhysikOlympiade – kurz EuPhO – bringt seit 2017 die besten Physikschülerinnen und -schüler Europas und darüber hinaus zusammen. Bei herausfordernden praktischen und theoretischen Aufgaben stellen sie ihr Können unter Beweis und versuchen, einen der begehrten olympischen Medaillenränge zu erreichen. Bei der 10. EuPhO, die vom 12. bis zum 16. Juni 2026 in Göteborg, Schweden, statt­fand, nahmen 199 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 41 Ländern teil. Neben 34 europäischen Ländern waren Gastteams aus sieben Ländern anderer Kontinente vertreten.

Eingeladen zu dem an der Chalmers Universität und der Universität Göteborg ausgetragenen Wetttbewerb hat die Swedish Physical Society. Die Aufgaben der EuPhO wurden von den Gastgebern zusammen mit einem internationalen akademischen Komitee konzeptioniert. Dabei haben insbesondere die Entwicklung und praktische Vorbereitung der experimentellen Aufgaben viele Monate in Anspruch genommen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. In je einer fünfstündigen praktischen und theoretischen Physikklausur konnten die Olympionikinnen und Olympioniken ihre Fähigkeiten bei abwechslungsreichen und herausfordernden Aufgaben auf die Probe stellen. In den theoretischen Problemen ging es um ein mechanisches Spielzeug, die Magnetisierung einer Spule mit einem ferromagnetischen Kern und das Verdampfen eines rutschenden Pucks aus Trockeneis. In der sehr innovativen praktischen Klausur drehten sich die Experimente um Ultraschallfelder und die Levitation von festen oder flüssigen Objekten in diesen.

Schwebende Tropfen in einem Ultraschallfeld waren Bestandteil der experimentellen Klausur der EuPhO 2026. © IPhO - IPN

Die Aufgaben verlangten von den Teilnehmenden kreative Lösungsansätze und ein sehr gutes Verständnis der zugrundeliegenden physikalischen Phänomene. Wie in den letzten Jahren auch, war der Schwierigkeitsgrad sehr hoch, so dass die Teilnehmenden im Mittel weniger als 30 % der Maximalpunktzahl erzielen konnten. Weder in der theoretischen noch in der praktischen Klausur wurde von irgendjemandem die volle Punktzahl erreicht. Die Aufgaben und Ergebnisse des Wettbewerbs sind auf der EuPhO-Website unter https://eupho.ee/eupho-2026/ abrufbar.

Für Deutschland sind bei der EuPhO 2026 als Nationalteam Lasse Jungermann (Max-Planck-Gymnasium, Groß-Umstadt), Mykyta Khitsenko (Albertus-Magnus-Gymnasium Regensburg), Qingyan Li (Gymnasium am Moltkeplatz, Krefeld), Vladislav Maiorov (Carl-Zeiss-Gymnasium Jena) sowie Dmytro Mintenko (Max-von-Laue-Gymnasium, Koblenz) angetreten. Die Fünf haben sich in der vierstufigen Physik­Olympiade in Deutschland unter mehr als 1340 Schülerinnen und Schülern bundesweit ein Ticket für den Wettbewerb gesichert und wurden anschließend auf die EuPhO vorbereitet. Nach Göteborg begleitet wurden sie von Prof. Gunnar Friege (Leibniz Universität Hannover) und Dr. Johannes Rothe, die das Team vor Ort betreut haben.

Die deutschen Olympioniken haben insbesondere bei den experimentellen Aufgaben überzeugt und erhielten bei der Abschluss­zeremonie der EuPhO alle eine Medaille: Lasse Jungermann wurde auf einem hervorragenden 12. Platz unter allen Teilnehmenden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Vladislav Maiorov (Platz 40) erhielt eine Silbermedaille und Mykyta Khitsenko, Dmytro Mintenko (beide Platz 61 und nur 0,1 Punkte von einem Silbermedaillenrang entfernt) sowie Qingyan Li (Platz 98) konnten sich über eine Bronzemedaille freuen. Im inoffi­ziellen Länderranking nach Punkten erreicht das deutsche Team damit den 10. Platz unter den 41 Teilnehmerländern – eine sehr gute Leistung. Bestes Team wurde mit fünf Goldmedaillen das Gastteam aus China, gefolgt von den Teams der USA und der Ukraine mit jeweils drei Goldmedaillen.

Eine typisch schwedische Fika kam bei der EuPhO 2026 auch nicht zu kurz. © IPhO - IPN

Ein großes Lob gebührt dem Organisationsteam der EuPhO 2026. Der eng getaktete Wettbewerb erlaubt in der Regel nur wenig Raum für ein ausgiebiges Rahmenprogramm. Diesen haben die Gastgeber aber mit verschiedenen Ausflügen und Aktivitäten, wie zum Beispiel dem Besuch eines Freizeitparks mit physikalischen Aufgabenstellungen, wunderbar zu füllen gewusst und auch sonst einen rundum herausragend gut organisierten Wettbewerb präsentiert, der den Teilnehmenden und Betreuenden sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Bemerkenswert an der EuPhO 2026 war darüber hinaus das große Engagement von Personen, die der PhysikOlympiade in Deutschland eng verbunden sind. Neben dem siebenköpfigen Team aus Teilnehmenden und Betreuern waren insgesamt 13 ehemalige Teilnehmende und Verantwortliche der nationalen PhysikOlympiade eingebunden in das akademische Komitee, die technische Unterstützung und insbesondere die Bewertung der Leistungen der Olympionikinnen und Olympioniken. Damit stellte Deutschland nach Schweden die größte Delegation in dem Wettbewerb 😉. Für die Wettbewerbsleitung ein tolles Signal und sicher auch ein Ergebnis langjähriger erfolgreicher Alumniarbeit in der PhysikOlympiade.

Die gesamte deutsche Delegation bei der EuPhO 2026 in Göteborg. © IPhO - IPN

Das Team der PhysikOlympiade in Deutschland bedankt sich herzlich bei allen Unterstützern des Wettbewerbs in diesem Wettbewerbsjahr und freut sich schon auf die abschließende Internationale PhysikOlympiade, die im Juli mit etwa 90 Teilnehmerländern in Bucaramanga, Kolumbien, ausgetragen wird – mit Lasse Jungermann, Mykyta Khitsenko und Dmytro Mintenko sind für Deutschland drei wettbewerbserfahrene Kandidaten erneut dabei.