Für 46 Schülerinnen und Schüler ging am 20.02.2026 eine ebenso ereignisreiche wie fordernde Woche zu Ende. Was sie verband: die Begeisterung für Biologie – und ihr Erfolg in den deutschen Auswahlrunden zur Internationalen BiologieOlympiade (IBO). In der ersten Runde des deutschen Auswahlwettbewerbs zur IBO 2026 waren im vergangenen Jahr 1174 Schüler:innen gestartet. 527 von ihnen qualifizierten sich für die zweite Runde, die als Klausur an den Schulen geschrieben wurde. Nun trafen sich die besten 46 Nachwuchstalente zur dritten Auswahlrunde in Präsenz am IPN in Kiel.
Nach einem ersten Kennenlernen am Sonntagabend startete die Woche am Montagmorgen mit intensiven Crashkursen und Seminaren. Hier wurde nicht nur theoretisches Wissen aufgefrischt, sondern vor allem praktisch gearbeitet: Der sichere Umgang mit Mikropipetten und dem Mikroskop wurde trainiert, ein Wurm diente als Studienobjekt für Bestimmungsübungen, und in einem Bioinformatik-Workshop tauchten die Teilnehmenden in Sequenzanalysen und Datenbanken ein. Schnell wurde klar: Diese Woche würde nicht nur Wissen abprüfen, sondern auch neue Kompetenzen vermitteln.
Am Dienstag wurde es spannend – die praktischen Klausuren in Biochemie, Botanik, Zoologie und Bioinformatik standen an. Präzision beim Pipettieren, eine ruhige Hand beim Schneiden von Nadelblättern, Genauigkeit beim Bestimmen von Schädeln waren gefragt. Darüber hinaus auch Konzentrationsfähigkeit und Nerven wie Drahtseile beim Vergleich von Sequenzen mit Hilfe des Needleman-Wunsch-Algorithmus in der Bioinformatik.
Nach einem kurzen Durchatmen am Dienstagabend stand am Mittwoch die Theorieklausur auf dem Programm: Zehn umfangreiche Komplexaufgaben sowie 80 Kurzaufgaben aus nahezu allen Teilgebieten der Biologie verlangten den Teilnehmenden noch einmal alles ab – zum Beispiel in Genetik, Evolution, Systematik, Verhaltensbiologie oder Tierphysiologie
Neben dem wissenschaftlichen Programm bot die Woche vor allem eines: Begegnung. Durch die gemeinsame Zeit vor Ort dient die dritte Runde auch als Netzwerktreffen für biologisch besonders begabte und interessierte Jugendliche aus ganz Deutschland. Zwischen Mensa, Labor und Spielecafé entstanden lebhafte Diskussionen über fachliche Fragestellungen, aber auch über die Frage, welches Studium am besten zu den eigenen Interessen passt. In einer Studieninformationssession beantworteten Alumni der IBO Fragen zu Studienwahl, Forschungswegen und Stipendienmöglichkeiten. Ein besonderes Erlebnis war auch der Besuch des Mediendoms in Kiel, wo im Planetarium die beeindruckende Reise „Vom Urknall zum Menschen“ im Schnelldurchlauf gezeigt wurde. Bei einem Tanzkursabend in der Jugendherberge konnten bei dieser dritten Runde nicht nur neue Fähigkeiten im Labor, sondern sogar auch im Discofox und Linedance erworben werden und eine Runde Bowling und ein geselliger Nachmittag im Spielecafé sorgten für Ausgleich vom Prüfungsprogramm.
Bei der feierlichen Siegerehrung am Freitag richtete zunächst Prof. Elmar Wolf vom Biochemischen Institut der CAU – selbst einst IBO-Teilnehmer – den Blick in die Karrieremöglichkeiten in den Biowissenschaften. In seinem Fachvortrag stellte er außerdem seine Forschung zu PROTACs vor: therapeutische Moleküle, die zelleigene Komponenten des Proteinabbaus gezielt zu Proteinen in Krebszellen lenken können. Die anschließende Diskussion zeigte eindrucksvoll, auf welch hohem Niveau sich viele der Teilnehmenden bereits mit aktueller Forschung auseinandersetzen.
Neben Urkunden und der Qualifikation für die nächste Runde wurden auch Büchergutscheine sowie – unterstützt vom Förderverein BiologieOlympiade e.V. und dem Verband Biologie, Biowissenschaften, Biomedizin VBio, vertreten durch Dr. Martin Nickol – Sachpreise und Praktikumsplätze vergeben.
Für folgende Preisträgerinnen geht es im Sommer zu einem vierwöchigen Forschungspraktikum: Helena Kadenbach (Nordrhein-Westfalen) wird sich mit Strukturbiologie am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) beschäftigen, Caroline Cork (Sachsen) geht am Klinikum Heidelberg biomedizinischen Fragestellungen nach, Maya Lasić (Bayern) verbringt 4 Wochen auf Helgoland, um die Ökologie von Schelfmeersystemen zu untersuchen. Jakob Morawietz (Berlin) taucht in Potsdam in Fragen rund um funktionelle Morphologie und Biomechanik ein, während Dominik Stauff (Bayern) in Golm in der Metabolomics-Forschung Proteine untersucht. Kiru Speicher (Saarland) darf sich über ein Forschungsprojekt auf dem Gebiet der Gentechnik von Algen freuen.
Als Sachbuchpreis erhielt Benjamin Fischer, der bestplatzierte Teilnehmende, der knapp den Einzug in die vierte Runde verpasste und im kommenden Jahr erneut antreten kann, ein Exemplar von Campbell – Biologie, gesponsert vom Pearson-Verlag. Mit diesem Standardwerk ist er bestens gerüstet für die Auswahlrunden zur IBO 2027. Ein besonderer Moment war zudem die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Fördervereins an Burkhard Schroeter, den ehemaligen Wettbewerbsleiter der IBO, für sein langjähriges und prägendes Engagement.
Weiter geht es mit der vierten Runde im Mai
Die besten zwölf Teilnehmenden haben sich für die vierte Runde qualifiziert. Sie werden im Mai erneut antreten, um die vier Plätze im Nationalteam zu ermitteln, das Deutschland im Sommer bei der IBO 2026 in Vilnius (Litauen) vertreten wird. Die folgenden zwölf haben sich qualifiziert:
- Marie Lautenschlager (Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching, Bayern)
- Verena Hieber (Johann-Michael-Sailer-Gymnasium in Dillingen an der Donau, Bayern)
- Jana Schlotmann (Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim Hessen)
- Gregor Schneider (Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen, Niedersachsen)
- Lilia Dieterlen (Freies Gymnasium Naunhof, Sachsen)
- Kiru Speicher (Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken, Saarland)
- Noah Mewes (Werner-von-Siemens-Gymnasium in Magdeburg, Sachsen-Anhalt)
- Felix Julian Friedrich (Heinrich-Schliemann-Oberschule in Berlin)
- Jakob Sierpinski (Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig, Sachsen)
- Johanna Kuhn (Marie-Curie-Gymnasium in Dresden, Sachsen)
- Caroline Cork (Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium in Dresden, Sachsen)
- Erik Schneider (Gymnasium Nackenheim, Rheinland-Pfalz)
Marie Lautenschlager (Bayern), Felix Julian Friedrich (Berlin), Benjamin Fischer (Baden-Württemberg) und Dominik Stauff (Bayern) qualifizierten sich außerdem für die Auswahlrunde der European Olympiad of Experimental Science (EOES), die im März stattfinden wird. Herzlichen Glückwunsch an alle Prämierten!
Ein besonderer Dank gilt den Betreuer:innen des Fördervereins der BiologieOlympiade e.V. sowie dem Team aus dem Labor und dem Sekretariat der IBO am IPN in Kiel. Ohne ihr außerordentliches Engagement wäre eine solch aufwändige und tolle Auswahlrunde nicht möglich gewesen.
Eine Woche voller Fachwissen, Freundschaften und Zukunftspläne geht zu Ende – und für viele beginnt nun der nächste Schritt auf dem Weg in die Welt der Biowissenschaften.